Sonntag, 3. Juni 2007

Das Busküken

Liebe Leserinnen und Leser, heute wollen wir uns einmal einem seltenen - und weithin unbekannten - Naturphänomen widmen: der Buszucht, bzw. der Frage: Wo kommen eigentlich die kleinen Busse her? Nun, wahrscheinlich dachten Sie, das bereits zu wissen... Busse werden in Busfabriken hergestellt. Das hat man Ihnen erzählt. Stimmts? Aber gesehen haben Sie so ein Bus-Fließband noch nie. In Ihrer Nachbarschaft ist auch keine Busseschmiede, oder?
Beschleicht Sie nicht auch manchmal der Gedanke, dass Sie belogen worden sind? Dass das alles gar nicht stimmt? Aber Sie dachten vielleicht, das sind nur Verschwörungstheorien --- nein, sind es nicht!
Ganz neue, exklusive Bilder und eine hochinvestigative, entbehrungsreiche Recherche haben es ans Licht gebracht: In schwer erreichbaren Nestern, hoch oben versteckt im Laub gigantischer Mammutbäume schlüpfen die kleinen Busküken aus Eiern, die ihre Eltern dort abgelegt und liebevoll ausgebrütet haben. Das aus jeweils nur einem Ei bestehende Gelege ist dabei stets besonderen Gefahren ausgesetzt: Nesträuber wie der gemeine Baukran plündern die Horste, spielende Kinder zerstören die Schalen aus Versehen und für die Holzindustrie sind die über 250 Meter hohen Nistbäume ein wahrer Leckerbissen.
Dennoch schaffen es verblüffend viele kleine Busküken ans Licht der Welt. Nach einer kurzen Phase, in der sie von ihren Eltern mit dem Nötigsten versorgt werden, kommt dann ihre erste harte Prüfung: Sie müssen auf den Erdboden gelangen!
Der Abstieg dauert oft wochenlang. Hätten die Busse (mit nunmehr voll ausgehärtetem Blechkleid) natürliche Feinde, wäre es noch gefährlicher. Zaghaft und mit den Hinterrädern voran klettern sie Stück für Stück nach unten. Wenn sie dann festen Boden unter den Reifen haben, müssen sie noch die nächste Straße finden. Erst dann dürfen sie sich als vollwertiges Mitglied der Busgesellschaft betrachten und können an ihre Karriere denken: Linie in der Großstadt? Ein anstrengendes Leben, laut und gefährlich... Schulbus? Noch lauter... Seniorencruiser auf Butterfahrten? Nur wenn nichts anderes klappt... Bücherbus? Gefängnisbus? Shuttle am Flughafen? So viele Möglichkeiten! Die Krönung jeder Buskarriere ist freilich der Fernreise-Service mit Reiseleitung! Nur die Besten haben hier ihre Chance.
Sollten Sie einen Bus haben und sich vielleicht einmal wundern, wenn er ein paar Wochen plötzlich verschwunden ist - machen Sie sich keine Sorgen! Er ist wahrscheinlich gerade dabei, den Fortbestand seiner Art zu sichern, in einem Baum wie dem abgebildeten (an dieser Stelle herzlichen Dank an Revierförster OoPs Galatea für die freundliche Unterstützung!). Und wenn Ihnen mal wieder jemand weismachen möchte, die Busse kämen aus schnöden Fabriken, dann lächeln Sie einfach. Sie wissen es jetzt besser. Aus Gründen der Geheimhaltung verraten wir an dieser Stelle nicht, wo wir das auf den Fotos abgebildete Nest gefunden haben. Zur wissenschaftlichen Erforschung der Busbiologie werden wir aber mit Freuden beitragen, bitte fragen Sie einfach inworld an.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Schreib was nettes. Hm?