Mittwoch, 29. August 2007

Tierschutz in SL (Folge 1) : Der Pinguin

Als stets zufriedenen Kundin des Busunternehmens Second Travel, möchte ich Ihnen, liebe Leser, gerne erzählen, wie ich Busfahrer Martynov und seinem entzückenden Team zum ersten Mal begegnete.


Es war an einem Dienstag im Juli. Ich bummelte entspannt durch ein Geschäft für Posen und Animationen, auf der Suche nach einem eleganten Hüftschwung für Sonn- und Feiertags, als ich in der Auslage plötzlich dieses Paket entdeckte - es war schockierend! Stellen Sie sich vor: skrupellose Pinguinhändler hatten zehn dieser possierlichen Tierchen in eine winzige Kiste gepfercht und boten sie zum Herumschleudern feil. Natürlich zögerte ich keine Sekunde, raffte meine letzten Lindendollar zusammen und kaufte dem Laden die armen Tiere ab.


Vor der Tür des Shops versuchte ich sofort, meinen Schützlingen die Freiheit zu schenken, aber immer wenn ich sie aus der Kiste holte, dauerte es keine zehn Sekunden und die traumatisierten Vögel kamen zu mir zurück. Was also tun? Ich beschloss, die Tiere dorthin zu bringen, wo sie hingehörten: zum Nord-...äh... Südpol. Nunmehr ohne einen müden Linden in der Tasche, machte mich auf den Weg zur Landstraße. Geschlagene vier Stunden hielt ich dort den Daumen in den Wind, aber noch nicht einmal ein unbemanntes Fahrrad hielt an. Zu meinem großen Glück kam schließlich der grüne Reisebus von Second Travel vorbei.


Herr Martynov bot mir an, mich und meine Pinguine völlig selbstlos, nur gegen eine winzige Gefälligkeit (Bus waschen, wachsen und polieren, Polster schaumreinigen, Kaugummis unterm Fahrersitz abmeißeln) ans Ziel zu befördern. "South Pole", sagte Herr Martynov, fände er auf seiner Karte nicht, aber wir könnten es ja mal mit "Dance Pole" versuchen. Zugegeben, die Idee war sehr löblich, aber meine Pinguine schienen keinen Gefallen daran zu finden, sich den ganzen Tag um eine Stange zu räkeln, also packte ich die Tiere wieder ein.


Auf der Suche nach etwas Neuschnee landeten wir schließlich in Zermatt, einem unberührten Stück Natur (abgesehen von einer unbedeutenden Anzahl von Ferienhäusern und Nobel-Boutiquen) - die Vögel würden sich dort sicher heimisch fühlen. Gemäß der Gebrauchsanweisung auf ihrer Verpackung setzte ich die Tiere der Reihe nach in der idyllischen Bergwelt aus (für Pinguine flogen sie erstaunlich weit...) und sah zu, dass ich Land gewann. Herr Martynov gab freundlicherweise mit qualmenden Reifen Gummi.


So also lernte ich das Busunternehmen Second Travel kennen und schätzen. Ich kann es jedem Freund kultivierter Ausflüge und würzigen Dieselaromas nur wärmsten empfehlen.


Nachtrag: Es ist nicht zu fassen! Heute besuchte ich noch einmal den eingangs erwähnten Posen-Laden - und was musste ich zu meinem Entsetzen sehen? Sie hatten sich schon wieder eine neue Kiste Pinguine besorgt! (Sollte einer der hilfsbereiten Leser 150 Linden übrig haben...)


Kommentare:

  1. Es zerreißt einem das Herz!
    Ann, du hast deine Jahreskarte ja schon gekauft...
    ab sofort fahren deine Tiere (bis 3 Tonnen) umsonst mit (die Bissigen bitte mit Leine, Chamomilla-Globuli zur Beruhigung sind an Bord)!

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  2. Oh, wie schön!
    Dann kann ich es ja endlich zugeben:
    Die dicken Wollknäuel, mit denen ich im Bus immer vier Sitzplätze belege, sind gar keine Flokatiteppiche...

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Schreib was nettes. Hm?