Freitag, 26. Oktober 2007

Die Mär vom Bär

"Annapurna, das musst du dir ansehen: da grillt ein Bär!" Der Notruf meines Lieblingsbusfahrers klang alarmierend. Ungeheuerlich, dachte ich, verspeisen diese carnivoren Avatare wirklich alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist? Wutentbrannt eilte ich zur Isle of Moonlight.
Doch, liebe Leser, meine Sorge war unbegründet. Dort grillte zwar ein Bär. Aber er grillte!


Am Lagerfeuer traf ich zu meiner Überraschung auf einen quicklebendigen Bären, der mich höflich aufforderte, ein paar Marshmallows mit ihm zu rösten (und Flammenwerfer und Handgranaten doch bitte abzulegen). Gemeinsam leerten wir ein Fläschchen Honigwein und berauscht von Likör und Mondlicht, begann Prim, der Bär zu erzählen. Die tragische Geschichte seiner Familie:


Second Life war noch ein unerforschtes Häuflein instabiler Pixel, als Prims Großvater Philip und seine Frau Linda den ersten Sim erbauten. Sie nannten ihn » Bear und errichteten darauf einen Infohub. Das Paar erlangte bescheidenem Reichtum durch den Verkauf überteuerter Ländereien an weltfremde Abenteurer und bekam drei Söhne.


Doch Hundini, der Älteste, fing sich bereits in jungen Jahren einen bösen Lag, von dem er sich nie ganz erholte. Er tingelte noch eine Zeit lang als "Hundini, der fadenscheinige Bär", über die Sims, bis er sich eines Tages vor den Augen seines faszinierten Publikums endgültig auflöste.


Prims Onkel Edward, das schwarze Schaf der Familie, verliebte sich unstandesgemäß in ein Nilpferd zweifelhafter Herkunft und wurde in Schande verstoßen. Zuletzt, so erzählt man sich, arbeitete er in » Amsterdam als Bettvorleger.



Boris, Prims Vater, gründete eine ambitionierte Schnapsbrennerei. Aber bald schon schossen Freebie-Läden wie Pilze aus dem Boden und ruinierten mit billigem Fusel das Geschäft. Vor Gram fielen Boris sämtliche Texturen aus und er verbrachte den Rest seiner Tage zurückgezogen als Küchentisch.



Samurai, illegitimer Sohn Edwards, kam als Manga auf die Welt, scheiterte als Darsteller schlüpfriger Hentai-Comics und verkauft heute » Tiny Toon Avatare an wenig geschmacksichere Touristen.


Siegmund, Samurais jüngerer Bruder, verfiel dem Wahnsinn. Bei Vollmond hält er sich für ein Dampfbügeleisen, jagt unschuldige Waschbären und plättet sie in plissierte Falten.




Prims Cousin Klaus, ein Sohn Hundinis, erlag dem Genuss von Canadischem Akazienblütenhonig, verspielte Haus und Hof und lebt heute in » Berlin als Maskottchendouble auf der Straße.



Nur Cousin Gotthilf brachte es zu bescheidenen Ruhm als Interpret schmalziger Zoologen-Balladen. Von der Abfindung, die man ihm dafür bot, endlich damit aufzuhören, gründete er einen kleinen Laden namens » Bear CO-OP, in dem man noch heute Freebie-Ware erstehen und seinen Liedern lauschen kann.



Prim, der Bär vagabundiert einsam durch das Zweite Leben. Dann und wann trifft er einen verwehten Verwandten auf ein Gläschen Akazienhonig und sie träumen gemeinsam von besseren Zeiten. Nur von seinem Bruder Boris junior, der seinem Vater so sehr glich, hat Prim seit Jahren nichts gehört.

Kommentare:

  1. Um den Legenden mal noch eine hinzuzufügen, die ich im näheren Umfeld selbst mitbekommen habe: Die Neugestaltung des Bear-Hubs wurde von Ravenelle Zugzwang vorgenommen. Während sie dort beschäftigt war traf sie nicht nur mich, sondern auch Torley Linden, mit dem sie num (im RL) verheiratet ist :)

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  2. Klasse, Anna!!!!
    Deine Tränen lachende Vita

    (noch immer beschäftigt, heimlich die ganzen demo skins zu entsorgen)

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  3. Oh mein Gott!
    Da ist diese Geschichte nicht nur tragikomisch, sondern auch noch ROMANTISCH!!!
    Danke Ann, danke Funaria!!!

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Schreib was nettes. Hm?